Seit 1863

Chronik

Die zwei schwarzen Schreibhefte von Gottfried Egger mit der Aufschrift «Ein Lebensrückblick I» und «Ein Lebensrückblick II» lagen seit Jahren in einem alten, mittlerweile ausrangierten Aktenschrank in den Büroräumen der Brauerei, und niemand wagte sich so recht daran, da sie in der deutschen Kurrentschrift verfasst sind. Es war irgendwann Ende der Achtzigerjahre, als ich in einem Gespräch mit dem inzwischen verstorbenen Worber Rosenmaler Ruprecht Hofer von der Geschichte der Brauerei und von den beiden Schreibheften erzählte. Ich äusserte mein Bedauern darüber, dass ich der Kurrentschrift zu wenig kundig sei, um die Dokumente zu entziffern. Ruprecht Hofer zögerte nicht lange und erklärte sich aus Freude an der Sache bereit, die Hefte zu lesen und zu «übersetzen», und zwar – dies sei hier besonders hervorgehoben – handschriftlich, da er keine Schreibmaschine hatte. Seiner spontanen Begeisterung haben wir es also zu verdanken, dass dieses wertvolle Lebenswerk und Zeitdokument nicht endgültig in Vergessenheit geraten ist, und wir sind ihm dafür zu grossem Dank verpflichtet.

Gottfried Egger hat nicht einfach seinen Lebenslauf geschrieben, Daten und Fakten aneinandergereiht, sondern er hat seine persönlichen Gedanken, seine Gefühle, Wert- und Zielvorstellungen im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten und mit den Ereignissen seiner Zeit dargelegt. Die Auseinandersetzung mit dieser Lebensgeschichte, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann und kurz vor den Turbulenzen der Dreissigerjahre des 20. Jahrhunderts zu Ende ging, kann deshalb für uns Anregung sein zum Innehalten und zum Nachdenken über die Ereignisse unserer Zeit, über unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Verhältnisse sowie unsere eigenen Wert- und Zielvorstellungen.

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